24.3.13

#SampleSunday - Composition "The Dragon and the Princess"


Modern flute music score – original text in French; translations to English, German, Italian attached.
The composition  translates the fairy tale "Il drago e la principessa" into music.
....(page 2-4)

Flute Music Score for: The Dragon and the Princess.
E-Book. In addition to epub and mobi you find it also as an PDF at Smashwords, XinXii and Beam e-books.
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15.4.12

#SampleSunday - Magische Geschichten: "Kork"


Tara lief mit dem Wind um die Wette. Sie flitzte den Hang hinauf und kletterte dann den ausgetrockneten Bachlauf empor. Erst als sie den Rand des Korkwalds erreicht hatte, blieb sie stehen und drehte sich um.
Nichts! Keine Bewegung, so weit ihr Blick reichte. Doch Zor würde kommen. Es konnte nur wenige Schattenlängen dauern, bis er mit seinen Holzfällern die Klamm durchquert hätte.
Sie reckte den Kopf. Der Dunst über dem Fluss verdichtete sich zu einer düsteren Nebelwand: Wenigstens diesen Zauber beherrschte sie noch. Tara setzte sich ins Gras und winkte dem Nebel mit den Vorderpfoten: In dichten Schwaden kroch er flussaufwärts zur Klamm hinüber; füllte sie bald völlig aus und verdeckte den schmalen Saumpfad. Ein Neigen der langen Ohren und auch das Tal war in undurchdringlichen Nebel gehüllt. Das sollte Zor eine Weile aufhalten.
Erleichtert wandte sie sich ab. Sie betete, er würde in irgendeine Schlucht stürzen. Aber sie wusste, er war zu vorsichtig. In diesem Nebel würde er nur so langsam weiterreiten, wie es der Instinkt seines Pferdes erlaubte.
Tara sprang in den Wald, zwischen wispernden Korkeichen hindurch. Sie liebte es, den Geschichten zu lauschen, die der Nachtwind ihnen zutrug. Aber jetzt durfte sie keine Zeit verlieren, sollte die Flucht vor den Holzfällern gelingen. Vielerorts schon hatte sie mit ansehen müssen, wie Waldbewohner von umstürzenden Bäumen erschlagen worden waren. Oder sich plötzlich gefangen sahen, weil schwere Stämme die Höhlenausgänge versperrten.
Als Tara durch ein Gestrüpp aus Myrten und Zistrosen sprang, stolperte sie plötzlich.
„Has', was schaust du in die Wolken?“, schnauzte Pikko sie an. Drohend hob er eine winzige Axt.
„Zwerg, was stehst du mir im Weg?“, fauchte Tara ihrerseits. „Ich bin in Eile. Holzfäller sind im Anmarsch.“
„Was schert mich das! Ich brauche keine Bäume.“
„Ach tatsächlich? Und wozu dann die Axt?“
„Für das Feuer in meiner Schmiede reichen ein paar Zweiglein. Die lassen sich immer finden.“
Tara wandte sich naserümpfend ab und flitzte weiter. ,Autark‘ nannten die Zwerge ihre Lebensweise; dabei war es nichts weiter als Ich-Sucht. Und Pikko übertraf alle.
Erst am Rande der großen Lichtung, tief im Wald verborgen, hielt Tara wieder an.

***

Inzwischen hatten die Holzfäller den Fluss durchquert und galoppierten durch das Dorf am Talende. Sie hielten vor einem alten Haus. Das Dach war frisch gedeckt und die Fassade von Kletterrosen überrankt. An seiner Seite verbaute ein langer flacher Schuppen den Blick auf die angrenzenden Felder. Zwei Männer kehrten den hinteren Teil des Hofes und inmitten eines Bergs bunter Bänder spielte ein kleines Mädchen.. Neben dem Tor kniete ein junger Mann vor einer Reihe Holzfässer.
Zor parierte sein Pferd vor ihm. „He Bauer, wir wollen hier rasten. Bring uns Brot und Wasser!“
„Ich bin kein Bauer. Ich bin Eno, der Winzer!“
„Um so besser. Dann bring uns Wein!“
„Wohin führt euer Weg?“ Eno musterte die Männer mit unverhohlener Neugier.
„Er ist hier zu Ende. Wir werden den Eichenwald fällen.“
Eno schüttelte den Kopf über soviel Einfalt: „Der Wald gehört den Alten Wesen. Niemand vermag ihn ohne ihre Erlaubnis zu betreten.“
Zor hob die Augenbrauen und grinste dann verächtlich. „Wer auch immer dort haust, wir werden ihn verjagen. Der Schutz der Priester feit uns gegen jeden Zauber. Dann könnt auch ihr endlich ungestört eurem Tagwerk nachgehen.“
„Uns stört hier niemand!“

***

Pikko leckte die letzten Frühstückskrümel aus seinen Barthaaren. Er betrachtete das aufgeschichtete Holz neben dem Kamin, bevor er das Feuer in seiner unterirdischen Schmiede entfachte: ,Noch ein paar Rebzweige zusätzlich zu den Eichenästen gäben ein gutes Feuer.‘ Er nickte, schulterte seine Axt, griff sich eine Fackel und marschierte zum talwärtigen Ende seines Höhlenreichs.
Irgend etwas versperrte ihm völlig den Ausstieg. Pikko hieb mit der Faust dagegen; es fühlte sich an wie .... Er hielt seine Fackel höher: Was für ein enormes Stück Holz!. Er stemmte sich dagegen; vergeblich.
„Dass doch der Blitz dreinführe!“ Pikko hackte mit seiner Axt darauf ein. Eine Hand voll Späne löste sich. So ging es auch nicht; er brauchte Hilfe. Ausgerechnet er! Der große Pikko, Stolz des ganzen Zwergengeschlechts.
Sein morgendlicher Zusammenstoß mit Tara fiel ihm wieder ein: Die Holzfäller! Er wollte ihnen eine Lektion zu erteilen, die sie ihr Leben lang nicht vergessen würden.

***

Am Teich inmitten der großen Lichtung trafen sich jeden Morgen die großen und kleinen Bewohner des Waldes.
„Holzfäller!", rief Tara ihnen schon von weitem zu. „Wir müssen fliehen."
Fedra, die Elfenprinzessin, schob ihre grauen Flechten in den Nacken, während sie ihr entgegenging. „Du bist ein Angsthäschen! Niemals wird ein Mensch sich unterfangen, unseren Wald anzutasten. Seit undenklichen Zeiten hat keiner mehr gewagt, auch nur einen Fuß hineinzusetzen.“
Tara schlenkerte die Ohren: „Sie wollen ja nicht hinein in den Wald. Sie werden ihn Baum für Baum vernichten wie anderswo auch. Der König braucht unermessliche Mengen Holz für seine Schiffe.“
„Und Kalo, der höchste seiner Priester, nutzt die wohlfeile Gelegenheit, überall die letzten meines einst mächtigen Volkes ihrer Heimat zu berauben. Niemand mehr soll sich gegen die Herrschaft jener Götter erheben, auf deren Namen Kalo seine Macht gründet.“
„Siehst du? Ich weiß doch, wovon ich rede: Ich bin in den letzten zwei Jahren mit meiner Sippe fünf Mal vor Zor und seinen Leuten geflohen.“
„Nichtsdestotrotz; fürchte dich nicht!“ Die Elfenprinzessin band ihre Schleifen neu. „Hier im Hain ist meine Magie ungebrochen und noch kraftvoll genug, euch vor allem Bösen zu bewahren.“
Ein paar Wildschweine schnoberten neugierig heran. Da erklang ein fremdes Geräusch: Ihm folgte das Ächzen eines Baumes, wie ein Schluchzen, das den ganzen Wald erfüllte.
Tara erstarrte; die Hasenkinder stoben auseinander und verschwanden im Gebüsch. „Kommt ihr wohl raus da!“ Tara hielt zwei Hasenmütter fest, die hinterherspringen wollten. „Und dann nichts wie weg hier!“
„Und wir?“, grunzte Cingala, eine graufellige alte Bache. „Wovon sollen wir leben ohne die Korkeicheln? Wir werden verhungern, bevor der Winter zu Ende ist.“
Fedra stellte sich der Häsin in den Weg: „Tara, bitte bleib hier! Wir können die Wildschweine doch nicht einem ungewissen Schicksal aussetzen!“
„Das Tal ist gefährlich!“ Ein alter Hase duckte sich ängstlich. „Die Hunde werden uns jagen.“
„Wir müssen des Nachts über den Fluss.“
„Und wohin dann?“
„Ich weiß es auch nicht, weit und breit gibt es nur noch Felder und abgeholzte Berghänge. Aber hier können wir nicht bleiben“, murrte Tara.
Bedrückt lauschten sie den Axtschlägen, die pausenlos durch den Wald schallten.
„Tara, du hattest Recht!“ Fedra sank ins Gras. „Diese Holzfäller fürchten sich nicht vor dem Wald. Der Bann, der ihn so viele Zeitalter schützte, hat seine Wirkung verloren.“
„Dann unternimm etwas, wenn wir bleiben sollen!“
„Allein vermag ich den Zauber nicht aufrechtzuerhalten. Die Kräfte der Magie erschöpfen sich immer mehr; und die Menschen haben sich von uns abgewandt, denn die Priester beherrschen ihre Herzen.“
Im nächsten Augenblick schlitterte eines der herumhüpfenden Hasenkinder durchs Moos, überschlug sich mehrmals und kollerte schließlich in einen Felsspalt. Tara sprang auf, aber die Öffnung war zu klein für sie. Sie lugte hinein: Dort unten stand Pikko neben dem Kleinen.
„Tara - wunderbar!“ Pikko sah auf, als ihr Schatten über ihn fiel, und winkte mit seiner Axt. „Bist du mit deiner ganzen Sippe hier oben? Ihr müsst mir unbedingt helfen!“
„Hilf erst einmal dem Kleinen aus deiner Höhle“, entgegnete Tara. „Dann sehen wir weiter.“ Sie knickte missbilligend ein Ohr zur Seite. ,Dieser Zwerg! Ständig versucht er, alle Welt für sich einzuspannen.‘
Pikko hob ihr das Häschen entgegen und kroch anschließend selber ins Freie. Er hockte sich zu den Alten der Sippe: „Ihr müsst mir helfen“, wiederholte er. „Die Holzfäller haben mir einfach den Ausgang zugesperrt. Wie soll ich da vernünftig arbeiten? In meinem Alter kann ich doch nicht jedes Mal den Berg erst rauf und dann wieder runter, wenn ich ins Tal muss. Das sind Störenfriede; ich will sie hier nicht haben!“
„Solange noch ein Baum steht, werden sie nicht gehen“, orakelte Tara.
„Das werden wir ja sehen“, knurrte Pikko. „Aber zuerst helft mir, den Ast vor meinem Tor wegzuschaffen.“
Die Hasen zogen mit Pikko den Berg hinunter. Immer lauter wurde das Schluchzen und Ächzen der Bäume, je weiter sie kamen. Viele Äxte waren gleichzeitig am Werk. Vorsichtig näherten sich Tara und Pikko dem Waldrand. Die Korkeichen senkten ihre Zweige tief hinab und hüllten die beiden in ihre Blätter, um ihnen Deckung zu geben.
Zwischen ihnen und Pikkos Höhle waren die Holzfäller an der Arbeit. Wohl an die zwanzig mächtige Bäume hatten sie schon gefällt.
„Das ist eine ganze Armee“, flüsterte Tara. „Unmöglich, sie aufzuhalten.“
„Und wir werden ihnen den Spaß doch verderben“, feixte Pikko. „Ich habe einen Plan.“

***

Am Nachmittag zählte Zor die gefällten Bäume. Gut gelaunt pfiff er vor sich hin. Das sonnige Herbstwetter war ideal für diese schwere Arbeit; die Männer lachten und scherzten und sie kamen schnell voran.
Ein Schrei ließ alle innehalten. Der Mann, der eben noch im Wipfel einer riesigen Korkeiche Äste abgesägt hatte, stürzte in die Tiefe, während sich der Baum zu schütteln schien und dann auf eine Gruppe erstarrter Holzfäller kippte. Die drei Männer neben ihnen ließen Axt und Säge fallen, rannten auf den Abgestürzten zu - und brachen mit einem Aufschrei im Waldboden ein.
„Die Geister“, rief ein Vierter entsetzt, warf seine Axt fort und rannte talwärts. Er kam nicht weit: Auch vor ihm sackte das Erdreich ein und er verschwand in der Tiefe.
„Was soll das?“, brüllte Zor. „Zurück an die Arbeit!“
Doch die Männer rührten sich nicht. „Warum haben wir plötzlich keinen festen Boden mehr unter den Füßen?“
„Das geht nicht mit rechten Dingen zu!“
Zor sah die Furcht in den Augen seiner Leute. Er entschied, für diesen Tag die Arbeit zu beenden. Niemand sollte an der Macht Kalos zweifeln können.

***

Nicht weit entfernt im Gebüsch verborgen, hatte Pikko die Szene verfolgt. Triumphierend eilte er zu den Hasen zurück: „Es hat geklappt! Die Holzfäller verschwinden. Jetzt helft mir, den Ast vor meiner Höhle zu beseitigen.“
„Später“, entgegnete Tara. “Sie werden morgen sicher wiederkommen. Wir graben weiter, bis es dunkel wird.“
Pikko murrte, denn er war ganz und gar nicht einverstanden. „Ich muss doch endlich meine Arbeit machen. Den ganzen Tag hab‘ ich schon verloren, um euren Wald zu retten.“
„Na schön!“ Tara schickte drei große Hasen zu seiner Höhle.
Sie selbst schlich sich an den Waldrand, um den weiteren Abstieg der Holzfäller zu verfolgen: Die Männer stiegen - einer hinter dem anderen - mit äußerster Vorsicht bergab; prüften vor jedem Schritt mit ihren Äxten die Festigkeit des Bodens. Hin und wieder drehte sich einer um und blickte zum Wald zurück, als erwarte er von dort neue Gefahren.
„Das nützt euch nichts“, höhnte Tara. „Wir sind noch nicht fertig mit euch!“ - Sie suchte den Himmel ab. In weiter Ferne schwebte eine einzelne weiße Wolke. Tara hob ein Pfötchen und winkte sie näher. Gehorsam glitt die Wolke heran. Die Häsin murmelte ein paar Worte und die Wolke begann sich aufzublähen, bis sie den Himmel bedeckte.
Im nächsten Augenblick zog eine schwarze Regenwand durch das Tal und entlud sich dann mit voller Wucht über den Holzfällern. Dicke Graupel prasselten auf sie ein. Eine Sturmböe fegte die abgeschlagenen Äste vom Waldrand hinunter; wie Prügel stürzten sie auf die Männer ein. Die rasten schreiend los und kümmerten sich nicht länger darum, auf welche Weise sie ins Dorf gelangen mochten.
Es war finster geworden; nur die Blitze, die den Himmel zerteilten, ließen die Holzfäller die schmalen Wege zwischen den Pergolen finden. In Bächen schoss das Wasser die Pfade hinab und verwandelte sie in Schlamm. Die Holzfäller schlitterten durch die Weinfelder, landeten bis zu den Knöcheln in Morast und fielen fluchend übereinander. Von einer Minute zur nächsten wurde es kalt. Ein eisiger Wind zerrte an den durchweichten Kleidern der Männer, und in den Regen mischten sich schwere Schneeflocken.
Dann war das Gewitter so plötzlich vorbei, wie es begonnen hatte.
Fedra tauchte neben der Häsin auf: „Das hast du gut gemacht! Ihr werdet nun bleiben, nicht wahr?“
„Sie kommen morgen zurück“, wehrte Tara ab. „Fedra, unternimm etwas!“

***

Als Zor mit seinen Leuten schließlich im Tal ankam, waren sie nass bis auf die Knochen und zitterten vor Kälte. Mancher hatte einen Stiefel im Morast steckenlassen und hinkte nun die Straße entlang.
Sie wurden von einer Gruppe zorniger Dorfbewohnerinnen empfangen. „Macht, dass ihr fortkommt; der Wald schlägt zurück“, schrie eine der Frauen den Holzfällern entgegen.
„Quatsch nicht, alte Hexe“, fuhr Zor sie an. „Ein Wald macht kein Gewitter.“
„O doch!“, erboste sich eine uralte Bäuerin. „Zu dieser Jahreszeit gibt es nie Gewitter! Der Hagel hat unsere Weinfelder verwüstet. Wir werden den besten Teil der Ernte verlieren. Ihr habt die Alten Wesen erzürnt, die den Wald behüten.“
„Schau dir das an!“ Ein kleines Mädchen stellte sich mutig vor Zor und hielt ihm eine Hand voll bunter Fetzen entgegen. „Der Sturm hat den ganzen Festschmuck heruntergerissen. Daran seid ihr schuld. Wie sollen wir jetzt Prinz Drano empfangen? Er wird denken, wir wollen nicht mit ihm feiern.“
Zor ließ die Bäuerinnen stehen und suchte Eno: „Bring uns Wein! Zuallererst einen guten Wein. Und zünde den Kamin an, damit wir trocken werden.“
„Wer auch immer im Wald hausen mag, wir haben seit Menschengedenken in Frieden mit diesen Wesen gelebt“, murrte Eno, während er den Holzfällern den Wein und das Abendessen auf den Tisch stellte.
„Pfui!“ Einer der Holzfäller warf die Flasche, aus der er gerade getrunken hatte, an die Wand. „Was wagst du uns da anzubieten? Das ist ja grässlich!“
„Ich hol‘ dir eine andere! Der Wein wird eben manchmal zu Essig, wenn er in Flaschen abgefüllt ist.“
„Was nützt es euch dann, dass ihr eure Weine erst so großartig hätschelt?“ Die Holzfäller grölten: „Keinen Verstand, diese Bauern!“
„Das Geheimnis der dichten Stopfen, die unsere Ahnen herzustellen wußten, ist seit langem verloren. Von diesen Korken gibt es nur noch die Hand voll, mit denen wir die alleredelsten der Weine versiegeln können, die Prinz Drano persönlich während des Weinfestes auswählt.“

***

Im Morgengrauen wurden die Waldbewohner erneut vom Singen der Äxte und dem Seufzen der Bäume aufgescheucht.
„Wir greifen an“, grunzte Cingala.
„Sie haben viel, viel größere Äxte als ich“, warnte Pikko. „Damit werden sie euch alle erschlagen!“
Cingala schnoberte verächtlich: „Besser ein ehrenvoller Tod im Kampf als elend zu verhungern.“
„Na schön“, maulte Pikko. „Mal sehen, was ich für euch tun kann.“
„Gemeinsam werden wir den Wald retten!“ Fedra steckte entschlossen ihre Zöpfe hoch. Sie hieß Pikko mit einem Trupp Eichhörnchen in den Baumwipfeln am Waldrand Stellung zu beziehen. Die Keiler und die älteren Bachen wies sie an, den Weg über die „Große Moräne“ zu nehmen.
Die Wildschweine formierten sich zu einer Herde und trabten los. Als sie über die Geröllhalde galoppierten, erzitterte der ganze Hang und eine riesige Lawine donnerte auf die Holzfäller herab: Fünf von ihnen wurden völlig unter dem Gestein begraben; ein Dutzend andere nagelten die heranfliegenden Brocken am Boden fest. Nur wenigen gelang es, hinter dicken Stämmen vor diesen Geschossen Schutz zu finden. Zor selber brach sich das linke Handgelenk, während er versuchte, seinen Kopf vor den Felsstücken zu schützen.
Das Geröll staute sich vor den gefällten Bäumen und schuf dort eine Barriere. Aber die größeren Felsen landeten in den Weinfeldern und zertrümmerten dort einen Teil der Pergolen.
Als der Steinschlag verebbte, herrschte Zor seine Leute an, nicht davon zu laufen, sondern den Verschütteten zu helfen. Da deckten Pikko und die Eichhörnchen das Schlachtfeld mit einem Eichelhagel ein. Die Holzfäller hoben die Hände über ihre Köpfe und gaben sich damit dem Angriff der heranrasenden Wildschweine preis. Die stürzten sich mit Hauern und Hufen auf die Männer, von denen kaum einer seine Axt noch in Händen hielt. Cingalas Horde trieb sie mit Tritten und Bissen vor sich her bis an die Barriere.
Keiner achtete mehr auf Zors Rufe. Kriechend und stolpernd erklommen die Männer das Geröllfeld. Zor erstarrte, als er eine schwarze, sirrende Wolke aus dem Wald heranbrausen sah: Die Elfin hatte den Holzfällern zwei Hornissenvölker hinterhergeschickt.
In dem freien Gelände gab es für seine Leute keine Deckung und sie hatten nichts, womit sie sich vor den angriffslustigen Biestern verteidigen konnten. Wer auf allen Vieren kroch, um schneller über die Barriere zu gelangen, gab sein Gesicht den Stichen preis. Wer es vorzog, den Kopf mit einem Stück Kleidung zu verhüllen, sah nicht mehr viel und trat immer wieder fehl. Zor hörte die Männer fluchen und schreien; er schlang sich sein Hemd vors Gesicht und folgte ihnen.
Tara und Fedra hatten die Schlacht von Pikkos Höhlentor aus begleitet. „Sie werden trotzdem wiederkommen. Fedra, du musst eine andere Lösung finden!“, flehte Tara.

***

Eno betrachtete die Holzfäller einen nach dem anderen: Blutend, mit geschwollenen Gesichtern und in zerfetzten Kleidern hinkten sie auf seinen Hof. Zwei konnten nicht mehr alleine laufen. In manchem Gesicht zogen sich Tränenspuren durch den Schmutz. Zor zog eine Axt mit zerbrochenem Stil hinter sich her; er war der Einzige, der sein Werkzeug zurückbrachte. Eno zählte: Es fehlten acht Männer.
„Ich habe euch gewarnt. Der Wald weiß sich zu schützen.“
„Du bist ein abergläubischer Dummkopf!“ Zor spuckte vor ihm aus. „Ich werde diesen Wald abholzen und wenn es das Letzte ist, was ich in meinem Leben tue.“ (...)

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18.3.12

#SampleSunday - Le dragon et la princesse

Une princesse prend peur d’un dragon, qui est apparu dans son royaume. Alors elle envoie ses soldats et ses chevaliers contre lui sur le champ de bataille. Les elfes essayent de l'aider. Mais le dragon s’effraye des soldats à la première attaque. Dans sa détresse il fuit chez l’ennemi de la princesse. Va-t-il pouvoir se sauver ainsi?

Voix de lecteur sur l’édition allemande.
«Je trouvais beau, qu’il n’y ait aucun noir et blanc. La princesse n’est pas méchante, bien qu' elle fasse la guerre; et le dragon ne l’est pas non plus, bien qu’il lui fasse peur et cependant chacun voit le mal dans l’autre. Les elfes discutent, quel serait le juste côté et cependant ils ne se sont pas sûrs de leur décision. Donc l’histoire invite les enfants à réfléchir et à se poser la question: qu’auraient-ils fait eux-mêmes et qu’est-ce qu'est juste?» (Laylahs Bücherblog)
 
(...)
Une semaine après Jago Jory revient au château pour rencontrer Manon.
Manon dit: «Qu’est-ce que tu fais ici?»
Jago Jory répond: «Je dois parler avec toi.»
Manon dit: «Pourquoi?»
Jago Jory répond: «Le dragon est parti.»
Manon dit: «Je sais. Quel est le problème que nous devons résoudre?»
Jago Jory dit: «Le problème est le suivant: Le dragon est allé dans le royaume du duc José. Il a le restant du trésor d’or et va le donner au duc. Donc José pourra acheter des armes pour attaquer notre royaume.»
Manon demande: «Qu’est-ce que nous devons faire?»
Jago Jory répond: «Vous ne devez pas mener de guerre contre le dragon. Viens, nous allons chez le roi.»
Aussi Frédéric demande: «Qu’est-ce que tu fais ici?»
Jago Jory dit: «Je dois parler avec toi, parce que maintenant le dragon aide le duc José. À cause de cela vous devez conclure la paix avec votre ennemi, car ensemble avec le dragon il va certainement gagner.»
Frédéric dit: «Non, nous devons nous préparer pour la guerre contre José.»

Durant les jours suivants les soldats et les chevaliers vont dans les villages et parlent avec les hommes.
Les soldats leur disent: « ous devons préparer la guerre contre le dragon et le duc José.»
Les chevaliers disent: «Venez avec nous.»
Les hommes répondent: «Nous venons, mais d’abord nous préparons nos armes.»
Un homme demande: «Devons-nous venir tous?»
Les chevaliers disent: «Pas tous.»
Les soldats disent: «Quelques-uns oui.»
Les chevaliers et les soldats aident les hommes à préparer les armes: Ils forgent les épées et les aiguisent dans la forme correcte pour faire des pointes aiguës. Et ils leur donnent des cottes de mailles.
Les hommes mettent les flèches dans les carquois et les épées dans les fourreaux; prennent les arcs et les arquebuses; et quand tout est prêt, ils marchent à la guerre contre le dragon et contre le duc José.
Des autres hommes restent dans les villages, parce qu’ils doivent travailler dans les étables et aux champs.
Mais parce que l’elfe a donné le trésor d’or du dragon aux pauvres, quelques-uns des nouveaux soldats désertent; ils rejoignent Puff et José. 
(...)


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4.3.12

#SampleSunday - Königliche Republik ... Zwölftes Kapitel ...

Albert führte sie im ersten Stock in einen Raum mit einem breiten Kamin, in dem ein mächtiges Feuer seine Wärme verbreitete. Im Halbkreis davor standen drei wuchtige Stühle mit gepolsterten Lehnen; auf einem niedrigen Tisch daneben Obst und Teegeschirr.
Er nahm sich einen Apfel und rieb ihn an seinem Ärmel ab. „Ich überlasse Euch der Gesellschaft des Marquis de Montmorency.“
Mirella streckte die kalten Hände dem Feuer entgegen. „Ist das der, der alles weiß?“
Hinter ihr erklang ein leises Lachen. Sie fuhr herum. Der Marquis de Montmorency war durch eine andere Tür hereingekommen und schloss diese soeben. Wie peinlich, dass er ihre vorwitzige Bemerkung gehört hatte.
„Ihr habt eine interessante Meinung von mir, Signorina. Aber Ihr irrt Euch.“ Er wechselte ins Italienische, um Matteo zu begrüßen, und bewies gleich darauf, dass sie doch recht hatte. „Er ist der Schneider. Der Herzog ist begierig auf Seine Entwürfe. – Und wir Soldaten auch.“
Kurz darauf hallte ein schneller Schritt auf dem Marmor des Flurs. Die Wache öffnete die Tür. Im Eintreten löste de Guise die Schärpe um seine Taille, die das Schwert hielt. Der Marquis nahm beides entgegen und legte es auf eine Kommode.
De Guise rollte die Schultern. „Keine Förmlichkeiten bitte. Alexandre, leiste der Signorina Gesellschaft, während wir unseren Geschäften nachgehen.“ Er lächelte. „Bevor ich mich  entscheide, lasse ich dich die Entwürfe sehen.“ Er bat die Männer mit einer Handbewegung, ihm zu folgen, und ging zu der Tür, durch die zuvor Alexandre hereingekommen war.
Enzo ging an der Seite des Herzogs, der ihn um Haupteslänge überragte. Matteo stolperte vor Aufregung schier über seine eigenen Füße, als er ihnen folgte. Kaum durch die Tür zog er schon die Entwürfe aus seiner Tasche und ließ tatsächlich einen Teil fallen.
Mirella schmunzelte über den Alten. „Er ist einer der besten Schneider von Neapel. Aber dies wird vermutlich der größte Auftrag seines Lebens.“
„So hat er keine Manufaktur. Er wird viele Leute brauchen, um die Arbeit zu schaffen.“
Mirella suchte nach einer Entgegnung, die nicht zu dämlich klänge. Am besten eine Frage. „Woher kommen die Soldaten des Herzogs?“
„Wir werben sie an. Der Comte der Modène hat mehrere tausend Mann auszurüsten.“
„Die Neapolitaner kämpfen mit allem, was sie haben. Man braucht sie nicht anzuwerben.“
Alexandre nickte. „Sie kämpfen für ihre Freiheit. Aber Sold brauchen sie trotzdem.“
„Und Ihr?“ Das war schon wieder vorwitzig. Aber nun hatte sie es angefangen; nun konnte sie den Satz auch zu Ende bringen. „Warum seid Ihr bereit, für Neapel Euer Leben zu wagen?“
Alexandres graue Augen wurden dunkler. „Die Neapolitaner sind ein tapferes Volk. Ihr habt verdient, diesen Kampf zu gewinnen.“
Das beantwortete ihre Frage mitnichten, aber sie zu wiederholen, scheute sie sich nun doch. Hatte sie an etwas gerührt, was sie besser nicht angesprochen hätte? Jemand müsste ihn trösten können; er war so viel jünger als Dario.
Befangen starrte sie ins Feuer. „Man sollte bald nachlegen lassen. Die Nächte können bitterkalt werden zu dieser Zeit.“
„Sicher nicht so kalt wie bei uns. Schneit es hier jemals?“
„Kaum. Manchmal.“ Sie schüttelte den Kopf. „Wo ist das, bei Euch?“ Nun hatte sie endlich ein harmloses Thema gefunden.
„Eigentlich der Languedoc. Aber ich bin in der Champagne aufgewachsen. Kennt Ihr Euch aus in der Geografie von Mitteleuropa?“
Unwillkürlich reckte sie das Kinn. „Natürlich. Ich kann lesen und schreiben und bin in einer Klosterschule erzogen worden.“
Noch während sie sprach, zog er die Augenbrauen hoch. „Es war nicht meine Absicht, Euch zu beleidigen.“
„Aber nicht doch.“ Sie geriet in Eifer. „Wie könntet Ihr wissen, was in den Klöstern Neapels gelehrt wird.“ Als ihr auffiel, dass sie ihn gerade vor sich selber verteidigte, wurde sie sofort wieder verlegen. Wieso brachte er sie so aus der Fassung? Sie wusste doch sonst mit jedem Mann umzugehen. „Die Champagne, das ist Grenzland, nicht wahr?“
„Sie ist gesäumt von Burgen und in zahllose kleine Domänen aufgeteilt.“
„Sind sie sich genauso uneins wie die unseren?“ Sie wagte wieder, ihn anzuschauen.
Er schmunzelte und in seinem rechten Mundwinkel stand ein Grübchen. „Ihr versteht etwas von Politik? Ich bin ehrlich beeindruckt. Es gibt wenige Frauen, die sich dafür interessieren.“ Das Lächeln verschwand aus seinem Gesicht. „Zuweilen nicht einmal die, die es müssten.“
„Mamma verbietet selbst Vater, beim Essen über Politik zu reden. Und Dario verachtet Politik.“
„Woher kommt dann Euer Wissen?“
Sie hob die Schultern. „Trotz aller Verachtung – vielleicht deshalb sogar – hat Dario mir immer alles erklärt.“
„Euer Vater macht auch Politik.“ Er deutete mit einer Kopfbewegung zur Tür, hinter der die Männer verschwunden waren. „Sonst wäre er diesen Handel nicht eingegangen.“
„O nein! Er ist Kaufmann. Dieser Vertrag hilft der Familie, neu anzufangen.“ Sie blinzelte, um zu vermeiden, dass ihr die Tränen kamen, aber vergeblich. Sie wischte mit den Handrücken über die Augen. „Der Kamin qualmt.“
Alexandre zog kaum merklich die linke Augenbraue hoch. Das war grob unhöflich, ihr so offen seinen Unglauben zu zeigen.
Sie bemühte sich dennoch, freundlich zu antworten. „Während der Revolte ist unser Lagerhaus abgebrannt worden.“
„Obwohl er auf Seiten der Aufständischen stand?“ Das wusste er auch? Vielleicht hatte Enzo deshalb von de Guise den Auftrag bekommen.
„Der Aufstand hat sich gegen die Steuern gerichtet. Der Brand hatte nichts damit zu tun.“
Alexandre nickte. „Jemand hat die Unruhen ausgenutzt.“
Was sollte sie darauf antworten? Der Chevalier de Grignoire hatte gesagt, der Herzog wolle wissen, was die Neapolitaner bewegt. „Die gabelle waren nicht die einzigen Probleme. Aber nur sie wären gelöst worden mit der Anerkennung der alten Privilegien.“
Wieder nickte er. „Ihr versteht tatsächlich etwas davon.“
Mirella schluckte nervös. „Ich bin nur ein Mädchen.“ So sehr sie gewohnt war, bewundert zu werden – Anerkennung dieser Art war ihr fremd. Alexandre schüchterte sie ein.
„Ihr seid zu bescheiden. In Frankreich gibt es viele Frauen, die durch klaren Verstand bestechen.“ Ein Schatten ging über sein Gesicht. „Hierzulande scheint man es weniger zu schätzen.“
„Ich weiß nicht.“ Sie dachte an Dario. „Mein Bruder nimmt mich schon ernst.“
„Ihr habt mit ihm die Tammuriata getanzt. Ihr habt sehr schön ausgesehen.“
Gott sei Dank, das war die Art von Kompliment, mit der sie sich auskannte. Sie neigte den Kopf, damit der Schein des Feuers ihre feine Nase deutlicher modellierte, und hob einen Moment später ihren Fächer vors Gesicht. „Jede Frau sieht schön aus, wenn sie die Tammuriata tanzt.“ Er war bei de Guise aufgewachsen, also sollte er das Spiel der Höflinge wohl beherrschen.
Doch er enttäuschte sie. „Mag sein“, war seine lakonische Antwort. Wieder verdüsterte sich sein Blick; das hatte sie nicht gewollt.
Hielt er sie jetzt für kokett oder gar leichtfertig? Am liebsten hätte sie ihn gefragt, ob sie ihn langweile. „Wo habt Ihr Italienisch gelernt?“
„Ihr seid neugierig!“
Damit hatte er ihren Trotz herausgefordert. Sie senkte den Fächer und sah ihm unverfroren und ohne jedes Lächeln ins Gesicht.
Er schmunzelte. „So gefallt Ihr mir mehr.“
Sie biss sich auf die Lippen, um nicht kokett „Als?“ zu fragen.
Alexandre stand auf und legte Holz aus einem großen Korb nach, der neben dem Kamin stand. So sinnvoll es auch sein mochte, er tat es jetzt gewiss, weil er nicht wusste, was er sonst tun oder sagen sollte. Er hatte entschieden nichts von einem Höfling an sich.
Das Holz knisterte, als es Feuer fing.
„Möchtet Ihr etwas trinken?“ Alexandre deutete zum Tisch.
Er schenkte selber ein, als sei er ein Ordonnanz-Offizier, und brachte ihr die Tasse. Seine Hand streifte die ihre, als er sie ihr reichte. Unwillkürlich blieb ihr Blick darauf haften.
„Seid Ihr ein guter Cembalospieler?“
„Wie kommt Ihr darauf?“
„Eure Finger ....“ Seit wann machte eine Frau einem Mann Komplimente? Was war sie doch für ein Kind.
Seine Hand umfasste das Schwert. Er lachte verhalten; das gleiche warme Lachen wie zuvor, als er eingetreten war. Eine merkwürdige Wärme breitete sich in ihr aus. „Ich bin Soldat.“
„Aber es ist doch nicht immer Krieg.“
Wieder der Schatten in seinen Augen; nun hatte sie ihn gewiss wieder traurig gemacht. „Ich kann mich nicht erinnern, dass es eine Zeit ohne Krieg gegeben hätte.“
„Dann müsstet Ihr hier leben.“ Erleichtert atmete sie auf; nun war sie wieder auf vertrautem Terrain. „Bis jetzt ... Bis zu diesem Sommer war hier Frieden. Die alten Zerstörungen, die Ihr in Neapel seht, stammen von dem großen Erdbeben. Und außerhalb der Stadt vom Vesuv.“
„Das ist gefährlicher als ein Krieg. Vor den Gewalten der Natur kann man sich nicht verteidigen.“
„Der Berg meldet sich rechtzeitig. Meine Eltern und Dario sind vor den Aschewolken geflohen; hinunter ans Meer nach Pozzuoli. Es ist sechzehn Jahre her, dass der Vesuv das letzte Mal erwachte. Seither sieht der Berg so abgesägt aus.“ Sie blickte sich nach einem Platz für ihre Tasse um. Als sie Anstalten machte, sie auf die Erde zu stellen, nahm er sie ihr ab. Sie war sicher, dass er sie dieses Mal absichtlich berührte.
Während er die Tasse auf den Tisch stellte, lehnte sie sich in ihrem Stuhl zurück. Der Oberrock rutschte höher und eine Schuhspitze ragte darunter hervor. Sie dachte nicht daran, sie zurückzuziehen. „Werdet Ihr mit dem Herzog in Neapel bleiben?“
„Ihr seid wirklich neugierig.“ Er schmunzelte. Dieses Mal klang es nicht nach einer Abfuhr und sie verzieh ihm.
Er läutete nach einem Diener.
Auch dieser Lakai hatte schon im Dienst des Vizekönigs gestanden. Edoardo zündete die Kandelaber an, die an den Wänden hingen und auf den Kommoden standen.
Alexandre beobachtete ihn dabei, genauso wie sie es selber tat. Müsste er nicht gelernt haben, in jeder Situation gewandt aufzutreten? Felipe würde nicht schweigend herumsitzen. Jedenfalls hatte er das in ihrer Gesellschaft nie getan; er hatte immer eine Anekdote zu erzählen gehabt oder einen Scherz gewusst. Während sie Alexandre anblickte, konnte sie sich plötzlich nicht mehr richtig an Felipes Gesicht erinnern.
„Soll Edoardo Ihr etwas bringen?“ Erstaunlich, wie umstandslos er wieder ins Italienische wechselte.
„Signor Marquis, Seine Exzellenz hat soeben Abendessen für seine Gäste befohlen. Sie werden wohl noch lange ... Wenn Er der Signorina die Zeit vertreiben will ... Signorina Scandore ist eine vorzügliche Billard-Spielerin.“ Edoardo senkte den Blick. „Verzeih Sie mir, Signorina, wenn ich etwas Falsches gesagt habe.“
„Wo kann man in diesem Schloss Billard spielen?“
Mirella sprang auf. „Ich zeige es Ihm, wenn Er möchte.“
Alexandre lachte sein warmes Lachen. Es veränderte ihn völlig. Wie er als Junge gewesen sein mochte? Vor der Hinrichtung seines Vaters?
Er nahm einen der großen Kandelaber und wandte sich an Edoardo. „Er sage uns Bescheid, wenn gegessen wird.“
Edoardo öffnete ihnen die Tür und Mirella deutete zur Treppe. Aber nach zwei Schritten blieb sie zögernd stehen. „Ich fürchte, man hat dort nicht geheizt.“ Eben war sie auch schon mit ihm allein gewesen; aber das Vorzimmer des Dogen war kein abgelegener Billard-Saal in einem halb verwaisten Schloss.


Zwölftes Kapitel aus: "Köngliche Republik". Historischer Roman. 

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  Leseproben aus den vorhergehenden Kapiteln als Sonntags-Sample der vorangegangen Wochen.

Zum historischen Hintergrund gibt es  Informationen auf meinem Werkstatt-Blog oder der FB-Buchseite.

19.2.12

#SampleSunday - Königliche Republik ... Zwanzigstes Kapitel ...

Die Kaverne öffnete sich zu einem großen ovalen Raum. die Seitenwand rechts von ihr schwang sich in zwei großen Absätzen hinauf zur Decke. An der zweiten Stufe hatte Cesare sie angehalten. Hier hing die Decke noch eine Hand breit über ihrem Kopf, aber drei Schritte weiter reichte sie bis in ihren Nacken hinunter. Direkt an der Wand standen Pulverfässer in zwei Reihen hintereinander.
Mirella bückte sich und ging näher, um zu zählen.
„Zwölf!“
Sie wandte sich nach Cesare um und hob dabei prompt zu sehr den  Kopf. Sand rieselte ihr in die Haare und ins Gesicht.
Vorsichtiger geworden trat sie weiter zurück und sah sich um, so weit das Licht es zuließ. „Es gibt nichts als diese Fässer.“
„Sie werden die Zündschnüre mitbringen, damit sie gewiss trocken sind.“
„Wir wissen nicht sicher, dass in den Fässern Pulver ist.“
Ungeduldig hieb er mit der Fackel durch die Luft; sodass der Zug sie fast zum Erlöschen brachte. „Was wird einer hier lagern? Gesalzenen Fisch?“
„Du hast Recht! Ich will es immer noch nicht wahr haben.“
Langsam kam er ihr entgegen. „Sie muss den Dogen warnen. Allerdings ...“
„Ich werde den Weg nicht finden. Du musst die Franzosen hierher führen.“
„Ich zeige Ihr, wie man von hier in die Krypta gelangt; Sie muss sich nur diesen Zugang merken.“ Er nahm sie an der Hand und führte sie ans andere Ende des Raums.
In einer Nische hing eine schmale Strickleiter. „Sieht Sie jetzt, warum die Fässer über den langen Weg gekommen sind. Und warum dieser Ort perfekt ist?“
Sie reckte den Hals, aber sie konnte das Ende der Strickleiter im Dunkel der Höhe nicht erkennen. „Müssen wir dort hoch?“ Sie schluckte nervös.
„Ich halte die Leiter fest, bis sie oben angekommen ist.“
„Was ist dort oben?“ Ein eisiger Schauer überlief sie.
„Wir befinden uns unter der Krypta.“
Mirella zögerte. „Gibt es keinen anderen Weg?“
„Doch. Selbstverständlich.“
„Dann .... Wenn dort oben jemand ist ..“
Cesare rieb sich über die Stirn. „Freilich ... Aber ich bezweifle, dass sie von einer anderen Stelle aus die Soldaten führen kann.“
„Dann muss er das tun.“ Sie würde keinesfalls diese Strickleiter hoch steigen. „Er kann mir diesen Zugang morgen von außen zeigen. Oder den Franzosen.“
Cesare blickte nach oben, dann sah er sie wieder an. „Über diese Leiter wären wir sehr viel schneller draußen. Sie wird sich erkälten, wenn wir noch lange hier unten bleiben.“
Automatisch blickte sie an sich herab. Ihre Zehen fühlte sie fast nicht mehr und ihre Waden waren eisig. Cesare hatte gewiss recht. „Dann sollten wir nicht länger hier stehen bleiben.“
Cesare langte nach der Strickleiter und straffte sie. „Bitte, Signorina.”
Miralla stampfte mit dem Fuß auf. „Doch nicht hier!“
Seufzend ließ Cesare die Leiter los und griff nach ihrer Hand. Aber er führte sie nicht fort. „Wir können nicht an jeder beliebigen Stelle nach oben. Weiß Sie, zu wem die jeweiligen Bewohner halten?“
„Er wird es gewiss wissen.“ Ihr war maulig zumute, sie hatte zunehmend Lust, mit ihm zu streiten.
Da führte er sie endlich zurück an den Eingang der Kaverne. „Ein paar Schritte von hier führt ein Gang in den Hof eines Fischhändlers. Von dort kommen wir leicht ins Freie, selbst wenn man uns entdeckt.“
Erleichtert schlug sie neben ihm den angezeigten Weg ein. „Was fürchtest du?“
„Ich bin mir nicht sicher ... Wenn die Verräter zu früh davon erfahren, dass ihr Plan aufgedeckt ist, könnten sie ihn ändern. Aufgeben werden sie ihn gewiss nicht.“
„Also dürfen sie keine Zeit mehr haben, ihn zu ändern. Ich gehe gleich in der Früh zum Chevalier de Grignoire. Er wird Rat wissen.“ Lieber ginge sie zu Alexandre – aber sie würde nicht verbergen können, was sie trieb.
Sie gähnte; dies ließ sich an wie eine weitere Nacht, in der sie nicht zum Schlafen käme.
Sie betraten die Abzweigung. Von irgendwo kam ein plötzlicher Luftzug, der sie erschauern ließ. Se wickelte den Umhang fester um sich.
Gleich darauf drückte Cesare sie plötzlich an die Wand und löschte die Fackel. „Ganz still!“
Leise raschelte es in ihrer Nähe; das musste eine Ratte oder ein anderes kleines Tier sein. Sand knirschte unter Mirellas Fuß, als sie sich bequemer hinstellte. Es kam ihr vor, als warteten sie endlos – worauf eigentlich?
„Was ist?“, hauchte sie schließlich in Cesares Ohr. Er legte ihr die Hand auf den Mund.
Ergeben seufzte sie. Nun spürte sie ihre Zehen überhaupt nicht mehr und die von Nässe vollgesogenen Schuhe hingen schwer an ihren Füßen. Aber ihre Augen gewöhnten sich wieder an die Finsternis und sie konnte die hellere Wand, an der sie lehnte, von dem finsteren Loch des Tunnels selbst unterschieden. Nur zur Decke reichte ihr Blick noch nicht.
Schließlich tippte Cesare ihr auf die Schulter. „Vorsichtig!“
Cesare blieb nach jedem Schritt stehen und setzte die Füße nahezu geräuschlos. Mirella versuchte, es ihm gleich zu tun, obwohl sie ihn am liebsten ungeduldig vorwärts gedrängt hätte. Außer ihnen und den Tieren gab es hier doch niemanden. Mirella klapperte anfallsweise mit den Zähnen. Der Versuch, es zu unterdrücken, ließ ihre Kinngelenke schmerzen. Um sich abzulenken, begann sie ihre Schritte zu zählen.
Als sie bei fünfhundertvierundsechzig angekommen war, blieb Cesare erneut stehen. Er drehte sich um und tastete nach ihrer Hand. „Stufen. Zehn hinab, dann ein paar Schritte nach links; dann geht es nach oben. Sei Sie um Himmels Willen leise.“
Die freie Hand gegen die Wand gestützt, tastete sich Mirella von Stufe zu Stufe. Die unteren waren feucht und schmierig. Auf einer rutschte sie aus, aber Cesare hielt sie sicher und fing ihren Sturz auf. Einen Moment hielt er sie in seinen Armen und drückte sein Gesicht gegen ihre Stirn. „Wir haben es gleich geschafft.“
Eine Stufe tiefer trat sie in Wasser. Es war erst die achte. Bei der nächsten würde es ihr wieder in die Schuhe laufen. „Können wir nicht schneller gehen?“
Cesare zog sie dichter an sich heran, sodass sie gezwungen war, sich seinem Tempo zu fügen. „Wenn Sie stürzt, sind nicht nur die Füße nass.“ Aber als sie das Ende der Treppe erreicht hatten, lief er schneller.
Das Wasser reichte ihr bis zur Wade; zu spät hatte sie den Saum der Röcke in den Gürtel gesteckt. Nun schlug der nasse Stoff um ihre Beine.
Die Treppe nach oben war bedeutend länger als die andere. Anfangs zählte sie die Stufen. Aber bei der elften oder zwölften verzählte sie sich; und dann stützte sie sich nur noch schwer auf Cesares Arm und wartete darauf, am Ausstieg anzukommen.
Auch Cesare musste die Stufen gezählt haben, denn er stoppte sie, als ihr Kopf nur Zentimeter unter einer Decke war. Wieder drückte er sie an die Wand und legte ihr die Hand auf den Mund.
Sie streckte einen Arm aus nach dieser Decke über sich. Es war ein wärmeres Material als die Wände – eine Falltür wohl. Und wenn dort etwas darauf stünde?
Gedämpft drang das Bellen eines Hundes zu ihnen; dann war es wieder still.
Cesare wartete wieder eine Weile; dann drückte er vorsichtig gegen die Falltür. Geräuschlos öffnete sie sich einen Spalt und das graue Licht der Nacht wirkte geradezu hell nach der Dunkelheit der Kaverne.
Cesare wartete regungslos und Mirella reckte lauschend den Kopf. Er trat eine Stufe höher und schob die Falltür zur Hälfte auf. Vorsichtig blickte er über die Kante, dann streckte er die Hand nach ihr aus.
Mirella stieß sich von der Wand ab und stieg hoch, während Cesare die Falltür festhielt.
Sie befanden sich in einem umfriedeten Hof; der Ausstieg direkt neben einem Schuppen. Bis zum Haus waren es an die zwanzig Schritte. Dort brannte kein Licht; aber der Karren in der Mitte des Hofs würde sie sowieso den Blicken der Bewohner entziehen.
Eine Katze kam maunzend auf sie zu. Reflexhaft streckte Mirella ihre Hand aus, um sie zu streicheln. Da sprang die Katze sie mit einem wütenden Fauchen an. Entsetzt wich Mirella einen Schritt zurück und stürzte gegen Cesare.
Er ließ die Tür los, um Mirella aufzufangen. Mit einem lauten Knall schlug sie zu. Cesare gelang es, sich an der Wand abzufangen und den Sturz zu bremsen.
Der Hund begann zu kläffen.
„Verdammt!“
„Die Katze!“ Mirella schluchzte. „Sie hat mich angefallen.“
„Weg hier.“ Cesare schlug die Falltür auf, ohne sich weiter um den Lärm zu kümmern, den sie dabei machten.
Im Haus leuchtete eine Lampe auf; das Licht bewegte sich.
Er zeigte zur Mauer neben dem Schuppen. „Dorthin!“
Mirella raffte ihre nassen Röcke und lief los.
„Wer ist da?“ Der Männerstimme folgten Schritte von der Haustreppe; die Schritte mehrerer Menschen.
Mirella erreichte die Mauer. Die Kante war fast eine Kopflänge über ihr. Sie griff mit beiden Händen danach und versuchte, sich mit einem Klimmzug hochzuziehen. Doch sie konnte sich nicht halten; sie war viel zu müde und steif gefroren. Ihre Knie schürften sich an der Mauer auf, als sie abrutschte. Sie müsste es mit einem Anlauf versuchen, aber dazu hatte sie nicht mehr die Kraft.
Sie blickte zurück. Cesare war dicht hinter ihr; drei Männer liefen brüllend und mit Messern fuchtelnd auf sie zu.
Cesare erreichte sie und hielt ihr halb gebückt die gefalteten Hände für eine Räuberleiter hin. „Schnell!“
Sie stieg mit einem Fuß auf seine Hände und klammerte sich an der Mauerkrone fest. Er schob sie hoch und half ihr, ganz auf die Mauer zu steigen.
Sie sprang hinunter in die dunkle Gasse.
Cesares Gesicht erschien über der Mauer.
„Bleib hier, Bursche!“
Cesare schien nach jemandem zu treten; dann stöhnte er auf. Mirella griff nach seinen Händen und hielt sie fest. Sie zog und Cesare kam auf der Mauer zu liegen.
Eine Hand streckte er abwehrend in Richtung Hof; dann krümmte er sich stöhnend und ließ sich zu Mirella hinunterfallen.
Hinter der Mauer fluchte ein Mann.
Mirella starrte schreckensstarr auf ihn; dann bückte sie sich. „Bist du verletzt?“
Es war zu dunkel, um ihn genauer anzuschauen. Und keine Zeit. Sie half ihm auf die Beine.
Cesare keuchte. „Weg hier!“ Er taumelte vorwärts und presste eine Hand in die rechte Seite. „Da entlang!“
Mirella packte ihn unter einer Achsel, um ihn zu stützen, und er legte seinen Arm über ihre Schulter.
„Wo sind wir?“
Vicolo dei fasoi.“ Er lenkte sie in eine noch schmalere Gasse, in der sie kaum nebeneinander Platz zum Gehen hatten.
Am Ende der Gasse blieb Mirella stehen. „Wie kommen wir nach Hause?“
„Zu Fuß.“ Cesare stieß die Worte zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
„Wir müssen etwas mit deiner Wunde machen.“
„Es war bloß ein Messer; es wird schon gehen.“
Mirella zog seine Hand von der Hüfte. Was da dunkel auf ihren Fingern schimmerte, war Blut. Sie zerrte an seinem Hemd; aber bevor sie es aus der Hose gezogen hatte, hielt er sie fest.
„Das hat Zeit!“
Sie bezweifelte es, aber es war sicher gut, den langen Weg in Etappen zurückzulegen.
Von Santa Carmine schlug es zwei, als sie auf die Piazza dell’Egidio heraustraten. Hier war die Nacht weniger dunkel und Mirella blieb stehen.
„Jetzt sind wir weit genug, dass ich deine Wunde verbinde.“ Sie streifte einen ihrer Unterröcke ab. Das nasse Ende wrang sie aus und dann wickelte sie den trockenen Teil als Druckverband fest um Cesares Taille und verknotete ihn.
Er knurrte, aber ließ es sich gefallen.
Eine halbe Stunde später ließ sie sich erschöpft auf die Stufen zur Basilica del San Piero fallen. „Mir ist kalt und ich bin müde. So kommen wir nie nach Hause.“
„Mir wäre eine Patrouille sehr gelegen, auch wenn sie uns einsperren täten.“
Sie legte den Kopf auf ihre Knie. „Was erzählen wir ihnen? Wir müssten beide dasselbe aussagen.“
„Dass wir von Verrätern angegriffen wurden, als wir sie entdeckt haben.“
„Was für Verräter?“ Sie seufzte.
„Das kommt darauf an, ob es eine Patrouille Anneses ist oder des Dogen.“
„Cesare, wie alt bist du eigentlich?“
Cesare räusperte sich. „Im April werde ich siebzehn. Ich habe am gleichen Tag Geburtstag wie unser Doge.“
Eine Uhr schlug Drei. „Lass uns weitergehen. Es dauert mindestens noch eine Stunde, bis die ersten Fischer unterwegs sind.“
„Niemand geht mehr fischen in diesen Tagen.“ Mirella seufzte.
„Und woher kommen die Fische auf dem Markt? Ein paar Männer haben ihre Boote in den Häfen von Marechiaro und Torre del Greco liegen; die machen sich um diese Zeit auf den Weg.“
Mirella schmunzelte unwillkürlich. „Cesare, mir scheint, auch du nimmst es mit der Ausgangssperre nicht so genau.“
Sie strich den Überrock glatt und erhob sich. „Gehen wir ein Stück weiter.“
Cesare zog sich mit ihrer Hilfe hoch; dann hakte sie ihn wieder unter und sie gingen langsam an den Häusern entlang ans gegenüber liegende Ende der Piazza.
Als sie eben die Straße überqueren wollten, klang hinter ihnen das Rattern von Rädern. Sie drückten sich in den Schatten eines Hauseingangs.
Ein kleiner Karren ohne Lampe, vor den ein Esel gespannt war, rollte langsam über die Piazza auf sie zu. Eine schmale Gestalt mit breitkrempigem Hut zeichnete sich gegen den Himmel ab; sie schien direkt auf dem Karren zu sitzen.
„Der ist bestimmt harmlos.“ Sie ließ Cesare los und trat ein paar Schritte auf die Piazza. „Signore!“ Sie griff nach ihren Röcken und hielt sie so weit ausgebreitet, dass ihre Silhouette sie unzweideutig als Frau zeigte.
Der Karren rollte weiter.
„Signore.“ Mirella winkte und lief ihm entgegen. „Bitte; er helfe uns.“
Der Karren hielt, kurz bevor Mirella ihn erreichte. Die Gestalt zog den Hut vom Kopf und helles langes Haar fiel auf ihre Schultern. Ein junges Gesicht blickte ihr entgegen, wohl noch jünger als sie selbst.
Mirella trat an den Esel und griff nach dem Leinenzeug. „Signorina, wir sind in einen Hinterhalt geraten. Mein Lakai konnte mich verteidigen; aber nun wird er sterben, wenn er nicht bald in die Hände eines Arztes kommt.“
Das Mädchen musterte sie von oben bis unten. „Wie kommt es, dass Sie zu Fuß unterwegs ist?“
„Das Kutschpferd ist tot.“ Sie würde sich nicht wundern, wenn das Mädchen ihr nicht glaubte. Sie täte es auch nicht; aber was sonst sollte sie sagen? „Es soll nicht Ihr Nachteil sein, wenn Sie uns nach Hause bringt.“
„Sehe ich aus, als ließe ich mich bezahlen?“
Mirella senkte den Blick. „Ich wollte Sie nicht kränken!“
„Und wo hat Sie Ihren Diener gelassen?“
Eingeschüchtert wies sie zur Straßeneinmündung.
„So bring Sie ihn hinaus auf die Piazza. Ich will sehen, dass es keine Falle ist.“


Zwanzigstes Kapitel aus: "Köngliche Republik". Historischer Roman. 
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